
Es gab ja ein paar Sachen, die mir schon vor dem Kauf von „Vampire – The Masquerade: Bloodlines“ Angst gemacht haben. Angeblich haufenweise Bugs und bösartige Hardwareanforderungen.
Gleich nach dem Installieren habe ich den offiziellen Patch auf die Version 1.2 draufgepackt und wurde das ganze Spiel über von Bugs verschont.
Meine unglaubliche Kraftmaschine (Ironie) mit ihren 2,4Ghz, 1GB Ram und der kleinen Radeon 9500 Pro, schaffte es sogar das Spiel größtenteils flüssig und hübsch wiederzugeben.
Wie bei einem RPG üblich ging es am Anfang erst mal zu Charaktererstellung. Entweder man sucht sich seinen Clan selbst aus und verteilt per Hand die ersten Erfahrungspunkte, oder man wählt die Psycho-Variante. Das Programm stellt einem verschiedenen Fragen mit mehreren Antwortmöglichkeiten und wählt dann den Vampireclan aus, der am besten zu einem passt.
Meine Wahl fiel auf die „Gangrel“. Die sind am stärksten mit der animalischen Seite des Vampirseins verbandelt und das hat mir irgendwie gefallen.
Grobe Erklärung der Story: Es gibt vier große Vampirgruppen, die sich alle um einen alten Sarg streiten, der demjenigen, der ihn öffnet unglaublich viel Macht gibt. Naja ... den Hauptplot fand ich nicht sonderlich interessant, dafür aber die vielen Sidequests und das allgemeine Szenario.
Es gibt vier Stadtteile, welche nach und nach betreten werden können. Dort gibt es wiederum sehr viele Charaktere, die einem Aufträge erteilen. Eine Bordellbesitzerin möchte das wir eine Vampirjägerin töten, der Friedhofswärter braucht Hilfe bei einer Zombieplage und eine mysteriöse Mordserie muss aufgeklärt werden. Die Quests sind abwechslungsreich und passen perfekt in das düstere Nachtleben von Los Angeles.
Für erledigte Aufträge gibt es Erfahrungspunkte. Die werden dann wiederum in verschiedene Talente investiert (Stärke, Geschicklichkeit usw.), welche dann die Fähigkeiten verbessern (Schlösser knacken, Nahkampf usw.). Man kennt das ja.

Durch die Source-Engine haben alle Charaktere ein einzigartiges ausdrucksstarkes Gesicht. In den Dialogen sieht man das Gesicht seines Gegenüber in Großaufnahme und kann so ein perfektes Minenspiel bewundern. Grinsen, lachen, böse gucken, verführerisch mit den Augen klimpern, alles ist möglich und wird von den Entwicklern bestens ausgenutzt.
Ich habe meine Figur auf Nahkampf spezialisiert und bin im Spiel auch dementsprechend vorgegangen. Alles wurde niedergemetzelt, was nicht niet und nagelfest war und danach habe ich vielleicht Fragen gestellt. Skillt man den Charakter anders, kann man auch versuchen sich an den Gegnern vorbeizuschleichen, Probleme über die Dialoge zu lösen oder das Böse per Fernkampfwaffe auslöschen. Je nach dem was einem mehr liegt.
Die Atmosphäre des Spiels ist erstklassig und hat mir am meisten gefallen. In der Gothicdisco wird harte Metalmusik gespielt, die Besucher tragen Lederklamotten und die Bardame trägt einen hauch von nichts. In der nächsten Bar wird Rockmusik gespielt und eine Gruppe von Hippie-Vampiren überlegt, wie sie es den altmodischen Vampiren zeigen kann. Das nächste Haus ist nur noch eine Bruchbude und im Keller haust ein Dämon, der die Filmcrew eines Horrorfilms umbringt. In den Gassen dahinter stehen Penner um eine brennende Mülltonne und nehmen ab und zu einen Schluck aus der Flasche. Alles passt perfekt zusammen und erzeugt eine herrliche Stimmung.
Die Gewalt und die Freizügigkeit der weiblichen Figuren sind auch nicht ohne. Nackte Haut gibt es ordentlich zu sehen und an Blut wird auch nicht gespart. Wundert mich, dass das Spiel in Deutschland einen FSK-16 Stempel bekommen hat. Meine UK-Version ist ab 18. Aber da die europäischen Versionen alle multilingual sind, denke ich das da nichts geschnitten wurde.
Ich habe nicht viel zu kritisieren. Am Ende artet das ganze in ein einziges Hack’n’Slash aus. In jedem Raum stehen fünf Gegner, die man einfach töten muss und auch die Endgegner sind ein einziges Drauflosgekloppe. Mit meinem Nahkämpfer ging das alles recht locker, aber ich will nicht wissen, wie das ist, wenn man sich aufs schleichen spezialisiert hat.
Es gibt recht viele Ladezeiten. Eigentlich immer, wenn man ein Haus betritt oder verlässt wird neu geladen. Das kann nach einer gewissen Zeit etwas nerven.
Wertung: Düsteres Action-Rollenspiel mit genialer Atmosphäre.

rüssel - 27. Okt, 11:55