The Walking Dead - Ein langer Weg

Ich bin ein WM-Zombie.
Stöhnend schleppe ich mich nach der Schule vor den nächstbesten Fernseher und schaue ein Fußballspiel nach dem anderen. Egal wer spielt, egal wie öde die Spiele sind, ich halte bis zur letzten Minute durch.
Zum Glück sind zwischen den drei Spielen täglich immer eine Stunde Pause. Da wird dann schnell der alltägliche Kram erledigt. Schnell noch die Wetten fürs nächste Spiel im Internet abgeben Dann geht’s weiter.
So geht das seit letzten Freitag. 14 Spiele bisher. 1470 Minuten. 24,5 Stunden. Einen ganzen Tag.

Irgendwie habe ich es trotzdem geschafft den zweiten in Deutschland veröffentlichten „The Walking Dead“ - Band „Ein langer Weg“ zu lesen.
Jeder, der den ersten Band gelesen hat, wird nach dem ersten Aufschlagen des Nachfolgers erstmal verwundert die Zeichnungen anstarren. Der ausgezeichnete Tony Moore wurde abgelöst, da er nicht schnell genug zeichnen konnte. Dafür gibt es jetzt Charlie Adlards Künste zu bestaunen. Er kann schneller zeichnen und das sieht man leider deutlich. Man darf sich also nicht wundern, wenn der ein oder andere Charakter von einer Seite auf die nächste plötzlich einen ganz anders proportionierten Körper besitzt. Auch die Zombies haben durch den neuen Zeichner einiges an Ekelfaktor verloren. Schade.
Die Story kommt aber immer noch aus der Feder von Robert Kirkman und hat nichts von ihrer brilliantz eingebüsst. Die kleine Menschengruppe macht sich nun auf die Suche nach einem sicheren Unterschlupf in einer von Zombies verseuchten Welt. Dabei steht jedoch weniger das Zombie-die-Birne-wegschießen im Vordergrund, sondern die Konflikte innerhalb der Gruppe. Die permanente Furcht sorgt für einige blank liegende Nerven und der immer wieder rücksichtslos zuschlagende Tod kennt vor keinem der Protagonisten halt. Jeder könnte der nächste sein und so wird die Gruppe auch um die ein oder andere Person kleiner. Die Story endet mal wieder mit einem bösen Cliffhanger, aber so ist man das ja gewohnt.
Ich kenne das englische Original ja nicht, aber ich nehme mal an, dass immer wenn einer der Charakter das Wort „Fuck“ in den Mund genommen hat, in der deutschen Ausgabe dieses durch „Scheisse“ ersetzt wurde. In jedem, wirklich in jedem Kampf, fällt dieses Wort etwa fünf Mal und auch in den sonstigen Dialogen wird es gerne mal eingeschoben. Auf mich wirkt das unglaublich lächerlich und nervig. Wenn ich fluche benutze ich auch mehr als ein Wort. Liebe Übersetzer, seid mal kreativ und überlegt euch ein paar mehr Schimpfwörter. Oder noch besser, lasst einfach ein paar weg.
Derjenige, der sich den Text für den Klappentext (siehe Bild) ausgedacht hat bekommt von mir jedoch ein großes Lob. Hört sich zwar etwas martialisch an, passt aber perfekt.
rüssel - 14. Jun, 11:23






